Trakvia Guide · Investment Banking

Investment Banking: Praktikum, Gehalt & Einstieg

Was Analysten in Frankfurt und London wirklich verdienen, welche Banken zum Bulge Bracket gehören und warum das Recruiting schon anderthalb Jahre im Voraus läuft.

Analyst-Gehalt (all-in)
£100–160k (London)
Arbeitswoche
70–90 Stunden
Direkteinstieg
Ja, über Praktika
Auswahlverfahren
Tests, HireVue, Superday
Klassischer Exit
PE nach 2–3 Jahren
Top-Arbeitgeber
GS, JPM, Morgan Stanley

Was ist Investment Banking?

Investment Banking berät Unternehmen bei Übernahmen und Fusionen (M&A) und bei der Kapitalbeschaffung über Aktien (ECM) oder Anleihen (DCM). Banken wie Goldman Sachs oder J.P. Morgan begleiten Deals von der Bewertung bis zum Abschluss. Der Einstieg läuft fast ausschließlich über Praktika, also Spring Weeks und Summer Internships.

Die Bereiche einer Investmentbank

M&A

Kauf und Verkauf von Unternehmen. Die Königsdisziplin mit den besten Exits

ECM

Equity Capital Markets, also Börsengänge und Kapitalerhöhungen

DCM

Debt Capital Markets, also Anleihe-Emissionen. Ruhigere Stunden, weniger Modelling

Leveraged Finance

Finanzierung von PE-Übernahmen. Sehr technisch und ein exzellentes PE-Sprungbrett

Coverage

Branchenteams wie Industrials, FIG oder TMT, die die Klientenbeziehungen halten

Sales & Trading / Research

Die Marktseite. Ein eigenes Berufsbild mit eigenem Recruiting

Die wichtigsten Investmentbanken nach Tier

Bulge Bracket bedeutet Plattform und Marke, Elite Boutique bedeutet reines M&A und Top-Bezahlung. Für den PE-Exit sind beide erstklassig.

Bulge Bracket

Globale Großbanken

Alle Produkte von M&A bis LevFin, die größten Deals und die stärkste Marke im Lebenslauf.

  • Goldman Sachs
  • J.P. Morgan
  • Morgan Stanley
  • Bank of America
  • Citi
  • Barclays
  • UBS
  • Deutsche Bank
Elite Boutique

M&A-Advisory pur

Kleinere Teams und Bezahlung oft über Bulge-Bracket-Niveau. Rothschild & Co ist in Europa besonders stark.

  • Evercore
  • Lazard
  • Centerview
  • PJT Partners
  • Moelis
  • Perella Weinberg
  • Rothschild & Co
  • Guggenheim
Middle Market

Deals 100 Mio – 1 Mrd

Mehr Deals und mehr Verantwortung pro Kopf. Jefferies und Houlihan Lokey grenzen nach oben an.

  • Jefferies
  • Houlihan Lokey
  • William Blair
  • Baird
  • Lincoln International
  • Piper Sandler
DACH / CH

Regionale Boutiquen

Früh viel Verantwortung und ein unterschätztes Sprungbrett zu den größeren Häusern.

  • Berenberg
  • Alantra
  • Carlsquare
  • IEG
  • Clairfield
  • Raiffeisen / ZKB Corporate Finance

Karriereweg: von der Spring Week zum Managing Director

Der Einstieg entscheidet sich über Spring Weeks und Summer Internships, danach ist die Leiter klar definiert.

  1. 01Spring Week

    1 Woche

    Eine Schnupperwoche in London im ersten oder zweiten Bachelorjahr. Wer überzeugt, wird direkt ins Summer Internship übernommen.

  2. 02Summer Analyst / Off-Cycle

    10 Wochen / 3–6 Mon.

    Summer in London oder Off-Cycle in Frankfurt und Zürich. 50 bis 70 Prozent bekommen am Ende ein Return Offer.

  3. Klassischer Exit-Punkt: Die meisten steigen nach zwei bis drei Analyst-Jahren aus, klassischerweise Richtung Private Equity, daneben Hedge Funds, Growth und VC oder Corporate Development.
  4. 03Analyst

    2–3 Jahre

    Modelling, Pitchbooks und Datenräume. Die berüchtigten langen Wochen.

  5. 04Associate

    3–4 Jahre

    Du steuerst Prozesse und führst Analysten. Hier steigen auch MBA-Absolventen ein.

  6. 05Vice President

    3–4 Jahre

    Verantwortung für die Deal-Execution und erste eigene Klientenbeziehungen.

  7. 06Director / Executive Director

    2–3 Jahre

    Der Übergang dahin, selbst Mandate zu gewinnen.

  8. 07Managing Director

    ~12–15 J. ab Einstieg

    Deals bringen. Die Bezahlung hängt fast nur noch am eigenen Dealflow.

Investment-Banking-Gehalt 2026: alle Stufen

London zahlt am meisten, Frankfurt und Zürich folgen mit 10 bis 25 Prozent Abstand.

RolleWannVergütung
Praktikum (Summer / Off-Cycle)im StudiumFFM €1.5–2.5k/Mon. (Top-Boutiquen 3–5k+) · London ~£1.3k/Woche
AnalystEinstiegFFM: €80–85k Fix + 30–50 % Bonus · Boutiquen bis 150k all-in · London £100–160k
Associatenach 2–3 J.€150–300k (Fix ~150k + ~50 % Bonus)
Vice Presidentnach 6–7 J.€200–600k (stark bonusabhängig)
Director / Executive Directornach 9–10 J.€300–600k
Managing Directornach 12–15 J.€400k–1M+ (je nach Deal-Jahr)

Der Bonus macht 30 bis 100 Prozent des Fixgehalts aus und hängt an Bank-, Team- und Einzelperformance. In schwachen Deal-Jahren fällt er deutlich kleiner aus, Elite-Boutiquen zahlen die höchsten Pakete. Netto relativiert sich der London-Vorsprung übrigens durch die Lebenshaltungskosten. Frankfurt punktet dafür mit kleinen Analyst-Klassen von oft nur acht bis neun Leuten und breiterer Deal-Erfahrung, London mit dem größeren Netzwerk und den Sektor-Teams.

Bewerbung: Timeline & Prozess

Die Londoner Summer-Programme öffnen 12 bis 18 Monate im Voraus, meist zwischen April und Juni, und werden teils rollierend vergeben. Reich deine Bewerbung also früh ein. Off-Cycles in Frankfurt und Zürich laufen das ganze Jahr mit drei bis sechs Monaten Vorlauf.

  1. Schritt 1

    Im 1. Jahr starten

    Spring-Week-Bewerbungen laufen ab dem Herbst des ersten Bachelorjahres. Sichere dir parallel das erste Praktikum bei einer kleinen Bank oder Boutique.

  2. Schritt 2

    CV auf UK-Standard

    Eine Seite, kein Foto. Dazu kommen Cover Letter und Online-Tests mit Numerical- und Logik-Aufgaben.

  3. Schritt 3

    HireVue überstehen

    Aufgezeichnete Video-Antworten zu deiner Story, deiner Motivation und der Frage, warum genau diese Bank. Übe deine Antworten vorher laut.

  4. Schritt 4

    Superday / AC

    Mehrere Interviews an einem Tag, mit Technicals zu DCF, LBO und Accounting sowie Fit- und Markt-Fragen.

Dein Zeitplan ab dem 1. Semester

  1. 1. Semester (Herbst)

    Direkt nach Studienstart die Spring Weeks für das kommende Frühjahr bewerben

  2. 2. Semester (Frühjahr)

    Die Spring Week absolvieren und in den Semesterferien ein erstes Praktikum bei einer kleinen Boutique oder Bank machen

  3. 4. Semester (Apr–Jun)

    Die Summer-Bewerbungen für das Folgejahr einreichen

  4. 5.–6. Semester

    Summer Internship in London mit dem Ziel Return Offer, parallel Off-Cycles in Frankfurt und Zürich als Plan B

Technicals

Arbeite die „400 Investment Banking Interview Questions" von Mergers & Inquisitions durch und lerne Modelling mit Breaking Into Wall Street oder Wall Street Prep.

Standardwerk

Rosenbaum/Pearl, „Investment Banking: Valuation, LBOs, M&A" ist das Referenzbuch. Lies daneben täglich FT oder Bloomberg fürs Marktgefühl.

Excel-Speed

Arbeite ohne Maus, lerne die Shortcuts und bau ein 3-Statement-Modell aus dem Kopf.

Netzwerk

Finance-Clubs, Insight-Events der Banken und Coffee Chats mit Analysten. Wer intern erwähnt wird, überspringt faktisch den CV-Stapel.

Lohnt sich Investment Banking? Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Das höchste Junior-Gehalt aller Einstiegsjobs, in London über £100k all-in
  • Das Sprungbrett schlechthin, denn PE, Hedge Funds und Corp Dev rekrutieren fast nur hier
  • Die steilste technische Lernkurve: Modelling, Bewertung und Deal-Mechanik
  • Eine klare, planbare Leiter, auf der Leistung direkt vergütet wird
  • Echte Transaktionen, die es in die Nachrichten schaffen

Nachteile

  • 70 bis 90 Stunden pro Woche, bei Live-Deals auch am Wochenende
  • Wenig Planbarkeit, denn der Feierabend gilt nur bis zum Anruf des VP
  • Viel repetitive Arbeit im ersten Jahr, vom Formatieren bis zum Datenraum
  • Hohe Fluktuation und Burnout-Quote, die meisten gehen nach zwei bis drei Jahren
  • Der Bonus schwankt stark mit dem M&A-Zyklus

Consulting, IB, PE & VC im Vergleich

Die vier Branchen auf einen Blick, mit Investment Banking hervorgehoben.

MerkmalConsultingInvestment BankingPrivate EquityVenture Capital
Direkteinstieg nach StudiumStandardStandardSelten (IB/MBB-Umweg)Möglich, unstrukturiert
Kern-SkillStrukturierung & KommunikationFinancial ModellingLBO & Investor-JudgmentSourcing & Netzwerk
Typische Woche60–70h70–90h60–75h45–60h
Einstieg all-in (Richtwert)€75–110k · CH 100–140k€100–125k (FFM) · London höher€120–180k (Associate)€55–80k
Wichtigster EinstiegswegPraktikum → Return OfferSpring Week → Summer2–3 J. IB/MBBThese, Netzwerk, Praktikum
AuswahlverfahrenCase Interviews + FitTests, HireVue, SuperdayLBO-Test + Deal-TalkThese + Gespräche
Klassischer ExitPE, Corporates, GründungPE, Hedge Funds, Corp DevFund-Wechsel, Portfolio-CFOGründung, Startups
Bis Partner / MD~10–12 Jahre~12–15 Jahre~10–15 Jahrevariabel

Häufige Fragen zum IB-Einstieg

Wie viel verdient man im Investment Banking?

In Frankfurt starten Analysten bei den großen Banken mit rund €80’000 bis 85’000 Fixgehalt plus 30 bis 50 Prozent Bonus, Elite-Boutiquen zahlen im ersten Jahr bis zu €150’000 all-in. London liegt bei £100’000 bis 160’000. Associates erreichen €150’000 bis 300’000, und Managing Directors verdienen je nach Deal-Jahr zwischen €400’000 und über einer Million.

Wie viel verdient man im IB-Praktikum?

In Frankfurt sind €1’500 bis 2’500 pro Monat der M&A-Standard, Top-Adressen und einzelne Mid-Market-Boutiquen zahlen auch €3’000 bis 5’000 und mehr. Summer Analysts in London bekommen das Analyst-Grundgehalt anteilig, also rund £1’300 pro Woche.

Wie kommt man ins Investment Banking?

Über eine Praktika-Leiter: erst eine kleinere Bank oder M&A-Boutique, was schon ab dem ersten oder zweiten Semester geht, dann größere Adressen. Die Top-Häuser setzen nämlich selbst fürs Praktikum meist schon erste IB-Erfahrung voraus. Den Festeinstieg bringen dann Summer Internships in London oder Off-Cycles in Frankfurt und Zürich mit anschließendem Return Offer.

Welche Banken gehören zum Bulge Bracket?

Goldman Sachs, J.P. Morgan, Morgan Stanley, Bank of America, Citi, Barclays, UBS und Deutsche Bank. Das sind die globalen Vollbanken, die alle Produkte anbieten.

Wann muss ich mich für ein IB-Praktikum bewerben?

Für die Londoner Summer Internships 12 bis 18 Monate im Voraus, die Bewerbungen öffnen meist zwischen April und Juni und werden teils rollierend vergeben. Spring Weeks laufen ab dem Herbst des ersten Bachelorjahres, Off-Cycles in DACH brauchen drei bis sechs Monate Vorlauf.

Wie viele Stunden arbeitet man im Investment Banking?

Als Analyst arbeitest du 70 bis 90 Stunden pro Woche, in heißen Deal-Phasen auch mehr. Wochenendarbeit ist eher die Regel als die Ausnahme.

Braucht man eine Target-Uni fürs Investment Banking?

Im deutschsprachigen Raum zählen vor allem HSG, WHU, Frankfurt School, Mannheim und die Goethe-Uni als Targets. Die Plätze sind knapp, pro Top-Bank gibt es oft nur fünf bis zehn Positionen für deutschsprachige Absolventen. Von einer Non-Target führt der Weg über DACH-Boutiquen, Off-Cycles und konsequentes Networking.

Was ist eine Spring Week?

Ein einwöchiges Einblicksprogramm der Londoner Banken für Studierende im ersten und zweiten Bachelorjahr. Wer dort gut performt, wird direkt ins Summer Internship übernommen. Genau deshalb ist die Spring Week der eigentliche Einstiegspunkt.

Bringt der CFA etwas fürs Investment Banking?

Für das Junior-Recruiting bringt er wenig, Praktika, Technicals und Networking zählen deutlich mehr. Relevanter ist der CFA für Asset Management, Equity Research und Portfolio-Rollen.

Elite Boutique oder Bulge Bracket, was ist besser für den Exit?

Beide sind erstklassig. Elite-Boutiquen punkten mit mehr M&A-Erfahrung pro Kopf und höherer Bezahlung, Bulge Brackets mit der bekannteren Marke und der größeren Plattform. Am Ende zählt vor allem, wie viel Dealflow dein Team tatsächlich hat.

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